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Chumbe Island |
Die
Insel ist zu über 90% mit Urwald bedeckt,
der auf fossilen Korallenfelsen gedeiht
und auf Antrag von CHICOP 1994 von der
sansibarischen Regierung unter Naturschutz
gestellt wurde. Die Parkverwaltung wurde
der Chumbe Island Coral Park Ltd. (CHICOP)
übertragen, als ein Modell für privaten
Naturschutz.
In
den Jahren 1994 und 1995 wurden im
Chumbe-Wald Erhebungen durchgeführt, die
reichhaltige Informationen für das
Parkmanagement und die Einrichtung der
Naturlehrpfade lieferten. Bei der Anlage
der verschlungenen Naturlehrpfade durch
den Wald wurde darauf geachtet, das
geschlossene Laubdach nicht anzutasten, um
den empfindlichen Pflanzengemeinschaften
nicht den lebensnotwendigen Schatten zu
rauben. Einige Pflanzen sind ausgesprochen
selten, z.B. Uvariodendron kirkii, ein Busch, der in der Region vorher als
ausgerottet galt.
Im
folgenden Abschnitt finden Sie
Informationen über diesen besonderen Wald
auf fossilem Korallenfels und einige
seiner Bewohner, den seltenen Palmendieb,
die gefährdeten Aders
Ducker-Zwergantilopen und die extrem
schwierige Rattenausrottungskampagne.
Urwald
auf fossilem Korallenfels
Chumbe
ist fast ganz bedeckt von einem tropisch
immergrünen üppigen Urwald, der in der
Fachliteratur "Coral rag forest"
genannt wird, weil er vollständig auf
fast nacktem Kalkfelsen gedeiht. Der Fels
ist nichts anderes als ein fossiles
Korallenriff, das in der letzten Eiszeit
vor 15.000 Jahren trocken fiel. Bei
genauerem Hinsehen lassen sich überall
noch versteinerte Skelette und Schalen
fast aller Korallen- und Muschelarten
finden, die auch heute noch im Riff leben.
Der zerklüftete Korallenfels kann kaum
Wasser halten. Der Wald ist deshalb ein
faszinierender Überlebenskünstler, ein
dichtes Dickicht von Schlingpflanzen,
Ranken und Wurzeln, die auf der Suche nach
Wasser in alle Felsritzen vordringen, die
Feuchtigkeit der Luft aufnehmen und alle
Oberflächen bedecken. Forscher brauchten
manchmal eine volle Stunde, um sich einen
Kilometer durch diesen Urwald
durchzuschlagen, wobei verborgene Höhlen
und Gräben das Fortkommen erschweren und
gefährlich machen, aber auch noch viele
zukünftige Entdeckungen versprechen…!
Sorgfältig angelegte Naturlehrpfade
erlauben unseren Gästen einen sicheren
Einblick in diesen undurchdringlichen und
geheimnisvollen Urwald.
Um
dieses Waldreservat zu schützen, werden
beim Transport auf die Insel alle
Materialien, z.B. die Palmabdeckungen der
Dächer sorgfältig auf 'blinde Passagiere' hin
untersucht, wie z.B. Ratten
(siehe unten).
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 Palmendieb
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Gefährdete Arten
Der
Palmendieb
Der
seltene Riesenkrebs Palmendieb (Birgus
latro), der grösste Landkrebs der
Erde, ist auf der Chumbe-Insel zahlreich
vertreten und vollständig geschützt.
Ursprünglich weitverbreitet auf den
Inseln des Pazifik und des Indischen
Ozeans, wurde er traditionell als
Delikatesse gefangen oder in Fischfallen
als Köder benutzt und gilt jetzt weltweit
als bedroht. Er erreicht eine Länge von
bis zu 45 cm und ein Gewicht von 4 kg,
kann aber trotzdem auf Kokospalmen
klettern und mit seinen kräftigen Scheren
Kokosnüsse abschneiden. Der Palmendieb
beginnt seinen Lebenszyklus als Larve im
Meer, klettert dann aber an Land und
bezieht ähnlich wie die mit ihm
verwandten Einsiedlerkrebse ein leeres
Muschelgehäuse, das er bei Bedarf gegen
grössere eintauscht. Sein weiches für
Fressfeinde sehr schmackhaftes Hinterteil
braucht diesen Schutz, bis er und sein
Chitinpanzer gross genug sind. Danach trägt
er sein Hinterteil eingeklappt unter dem
Bauch, was ihm einen etwas gestelzten Gang
verleiht. Er wird deshalb manchmal mit
Langusten verglichen, die ihren Schwanz ähnlich
schützen.
In
Ostafrika wurde der Palmendieb bisher noch
nicht erforscht, nicht einmal die
verbleibende Restpopulation ist annähernd
bekannt. Deshalb wird er in der Roten
Liste von IUCN auch unter der Rubrik
'Status unbekannt' aufgeführt. Der
Palmendieb ist mit Sicherheit selten
geworden, die Fischer in Tansania schätzen
ihn als Köder in Fischfallen, finden aber
keine mehr. Das Chumbe Projekt will nun
helfen, diese wahrscheinlich hochgefährdete
Art zu retten, und bietet deshalb die Möglichkeit,
die einmalig grosse Population auf der
Insel zu erforschen, um weltweit
Aufmerksamkeit auf diesen aussergewöhnlichen
Riesenkrebs zu lenken.
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Aders
Ducker Zwergantilope |
e
Aders Ducker-Zwergantilope
Die
gefährdete Aders Ducker-Zwergantilope (Cephalophus
adersi) ist in ihrem Ursprungsgebiet
auf dem afrikanischen Festland, den
kenianischen und tansanischen Küstenwäldern,
wahrscheinlich ausgestorben. Heute gibt es
nur noch eine kleine Restpopulation auf
der Insel Sansibar, die dort aber, obwohl
offiziell geschützt, wegen der
fortschreitenden Zerstörung ihres
Lebensraumes und Wilderei ebenfalls
hochgradig bedroht ist. Sie gilt
inzwischen als die seltenste Antilope der
Welt.
Auch
auf der Chumbe-Insel jagten einheimische Jäger
die Zwergantilopen schon in den 50er
Jahren bis zur Ausrottung. Eine im Jahre
1996 durchgeführte Studie wies jedoch
nach, dass dort weiterhin genügend
Nahrungspflanzen für diese Antilopenart
vorkommen und die Bedingungen für eine
Wiederansiedlung auch sonst ideal sind.
Weil die Tiere nur noch auf Chumbe wirksam
vor Verfolgung geschützt werden können,
wandte sich die Umweltbehörde an CHICOP,
um auf der Insel ein Schutzgebiet für die
Ducker einzurichten.
Auch
die erfolgreiche
Ratten-Ausrottungs-Kampagne führte zu
einer weiteren drastischen Regeneration
der Flora des Waldes und verbesserte die
Bedingungen für die Einrichtung des
Schutzgebietes zusätzlich. Deshalb konnte
die erste Ducker-Antilope im Dezember 1997
nach Chumbe gebracht werden. Inzwischen
wurden in Zusammenarbeit mit der
sansibarischen Forstbehörde und dem
Tierpark München-Hellabrunn drei weitere
Antilopenpaare erfolgreich auf der Insel
angesiedelt. Der Bayrische Rundfunk
dokumentierte diese Ansiedlung in einem
45minütigen Fernsehfilm.
Seitdem
überwachen spezielle Sensorkameras im
Wald Verbreitung, Futterverhalten und
Wohlergehen dieser seltenen und extrem
scheuen Zwergantilopen.
Für
dieses Projekt erhielt CHICOP personelle,
technische und finanzielle Unterstützung
von der Forstbehörde der sansibarischen
Regierung, dem Tierpark
München-Hellabrunn,
der Mammal
Ecology Research Group (MERG), Royal
Holloway University London, der Chicago
Zoological Society (CZS), Eco-tec (Zanzibar)
Ltd., dem World Wide Fund for Nature
(WWF), Fauna and Flora International (FFI),
der British Ecological Society (BES), und
British Airways.
Allen
vielen Dank!
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 Blick vom Leuchtturm
|
ie Ausrottung der Ratten
Rattenplagen
auf Inseln sind ein weltweites Problem.
Auch auf Chumbe waren Ratten (Rattus
rattus) sehr verbreitet und wurden dort
vermutlich um die vorletzte
Jahrhundertwende eingeschleppt, als der
Leuchtturm gebaut wurde. Die Brutkolonie
der seltenen Rosenseeschwalbe (Sterna
dougalli) wurde 1994 von Ratten
angegriffen, mit der Folge, dass die Vögel
nicht mehr zum Brüten kamen. Auch andere
Bodenbrüter waren auf Chumbe von Ratten
bedroht. Schliesslich machten die Ratten
Nahrungsmittel ungeniessbar und stellten
ein unzumutbares Gesundheitsrisiko dar.
Sie beschädigten Gebäude, Elektrokabel,
Tauchausrüstungen und belästigten nachts
Park-Ranger und Forscher. Tourismus war
unter diesen Bedingungen nicht möglich.
Um
dieser Plage auch unter
Naturschutzauflagen ein Ende bereiten zu können,
konsultierte die CHICOP- Parkverwaltung
Experten aus Deutschland, Neuseeland, den
Niederlanden, Grossbritannien und Irland.
Eine sehr interessante Möglichkeit war
zunächst die biologische Rattenausrottung
durch die Einführung eines
rattenspezifischen Krankheitserregers, des
Einzellers Sarcocystis
singaporensis aus Thailand. Diese
Option musste jedoch wieder verworfen
werden, als sich herausstellte, dass in
Tansania gesetzliche Grundlagen für die
Einführung nichteinheimischer Organismen
fehlen. Deshalb gab es keine Alternative
zu Rattengift mehr.
Im
Mai 1997 gelang es schliesslich einem
irischen Wissenschaftler der Cork
University mit einer grossangelegten
Aktion unter kontrolliertem Einsatz von
Brodifacoum die Ratten endlich
auszurotten. Mögliche Nebenwirkungen des
Giftes auf andere Tierarten wurden dabei
vorher ausgeschlossen. Regelmässige
Nachkontrollen verhindern seitdem eine
Wiederansiedlung der Nagetiere.
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